Chemie im Brot

Mittlerweile habe ich den Brotbackprozess (wir sprechen hier von dem 8ten Brot in meiner kleinen Karriere) recht gut im Griff: Am Wochenende bekommen wir über den Lieferdienst leckere Brötchen der Bäckerei Phillipi , Samstag abend mach ich schnell den Vorteig für das fast schon traditionelle „Montagsbrot“ fertig was dann Sonntag abend gebacken wird.

Brot backe ich aus paar recht simplen Gründen selber:

  • Ich habe mich als Naturwissenschaftler und in der Kindheit von Jean Pütz mit der Hobbythek geprägt schon immer für solche „Selbermachthemen“ interessiert.
  • Ich bin von Beruf Systemadministrator und Programmierer und daher gewohnt, dass ich eh alles selber optimieren muss.
  • Ich habe Spass am experimentieren.
  • Der Wichtigste: ich hätte gerne Montag morgen zum Wochenstart ein halbwegs frisches, kräftig gesäuertes Roggenbrot zum Frühstück (könnte der og. genannte Lieferdienst leisten, aber dann liegt das Brot im Winter wie auch Sommer ungünstig klimatisiert erstmal paar Stunden vor der Tür bis ich es reinhole).
  • Und dann gibt es so paar Nebenbedingungen dass meine Frau sagt, dass ihr das letzte Brot etwas schwer lag – dann kann ich das selber steuern.
Mein vorletztes Brot, ganz einfache „Detmolder Einstufenführung“ wo ich etwas mit Schwaden und einem Übergang von Unterhitze auf Umluft experimentierte.

Das vorletzte Brot war äusserst lecker, am Mittwoch fast aufgefuttert und für Donnerstag nichts mehr da.

Mit hinreichend Kenntnis über den Gesamtprozess Mittwoch morgen den Vorteig angesetzt und entsprechend weiter“gepflegt“ und schon nach 8 Stunden (statt 15h) mit etwas Gewalt zum Brot weiterverarbeitet – mit der Konsequenz, dass der Boden recht engporig bis klebrig war und das Brot insgesamt eine etwas weiche Konsistenz hat (jammern auf höchstem Niveau).

Das sind dann die Momente wo ich mir wünsche doch Zugriff auf die Schatzkammer der Lebensmittelchemiker zu haben – ich habe da keine Berührungsängste.

Wir hatten heute Besuch von einer Aussendienstmitarbeiterin, es ging um die Reparatur oder Austausch eines Firmengerätes. Und bei Technik landet man dann schnell bei der Kaffemaschine, Staubsaugerrobots, Thermomix und bei meinem Teekocher – worauf die Gesellschaft in der Küche beim selbstgebackenen Brot landete.

Madame Vertrieb war etwas ungläubig bis das geliebte Eheweib einfach mal ein Stück vom leicht missratenen „Schnellbrot“ angeboten hat. Ungläubiges Staunen „und das ist wirklich nicht von der Bäckerei?“ mit folgender Diskussion („für meinen Geschmack zu wenig Salz“).

Naja, und dann halt von der Dame das Eingeständnis dass sie ja eigentlich auch gerne vermehrt Selberbacken würde – mitsamt dem anschwellenden Mopsgesang über Chemie im Essen.

Eigentlich ganz einfach:

  • Wenn ich keine „böse Chemie“ im Essen haben möchte, dann muss ich mit halbwegs frischen oder naturgemäss lange haltbaren Lebensmitteln „frisch zubereiten“ mir die Zeit für den Einkauf und die Zubereitung nehmen.
  • Wenn ich nicht damit leben kann, dass „ohne böse Chemie“ die persönliche Lebensgestaltung zu sehr beinflusst wird, dann muss ich halt mit den Fakten leben.

Mir ist Chemie im Essen recht egal, die Gesetzgebung und regelmässige, vorgeschriebene Kontrollen sorgen dafür dass ich immer saubere Lebensmittel einkaufe die mich – nach Stand der Forschung – nicht schädigt.

Interessant werden solche Diskussionen dann, wenn das Offensichtliche jede Verschwörungstheorie schlägt und die Irren trotzdem die Lufthoheit über den Foren-Stammtischen behalten (wie zb. Vitamin C / Ascorbinsäure im Mehl).


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