Die „Neue Mitte“ von Nidderau

Oder „Nun wächst zusammen, was nicht zusammen passt“

In den 1970er Jahren wurden Kommunen angeregt (oder besser gesagt: gezwungen) , sich vom Dorf zu einem grösseren Gemeinwesen zusammenzuschliesen.In den 1970er Jahren wurden Kommunen angeregt (oder besser gesagt: gezwungen) , sich vom Dorf zu einem grösseren Gemeinwesen zusammenzuschliesen.

Bei uns wurde ein ungewöhnlicher Schritt gewagt: Windecken (Kreis Hanau, protestantisch) und Heldenbergen (Kreis Friedberg, Katholisch) schlossen sich zur „Stadt Nidderau“ zusammen.

Der Bürgermeister von Heldenbergen (Bauingenieur Bernd Reuter) wurde erster Stadrat, der Windecker Bürgermeister Willi Salzmann (Verwaltungsbeamter) wurde neuer Bürgermeister von Nidderau.

Eichen kam später als dritter Stadteil dazu, Erbstadt „im tiefen Tal ganz weit aussen“ schloss sich als immerwärendes „5tes Rad“ der neuen Stadt an (obwohl die geographisch – wenn auch nicht finanziell eher in die Richtung Bönstadt gehören).

Ostheim wurde „Zwangseingemeindet“, eine Schmäh unter der gerade die älteren Bewohner den Nidderauern bis heute nicht verzeihen denn Ostheim war mal wohlhabender als die anderen 4 Stadtteile.

Das lief ganz gut: vorallem das Gelände zwischen Windecken und Heldenbergen wurde gemächlich von beiden Seiten aus aufgebaut, kleinere Neubaugebiete spülten soviele Neubürger rein wie die Community sie integrieren konnte.

Naja, nicht ganz: bei den Neubauten waren auch einige Gaststätten dabei die sich bis heute kaum etablieren können und ständig Inhaber, Angebot und Speisekarte wechseln und daher (meine Meinung) eher als „Institut für Geldwäsche“ zu sehen sind.

Und dann kam endlich die Umgehungsstrasse um Windecken und Heldenbergen herum.

Kaum hatten die Vermessungsingenieure die Strecke abgesteckt, wurde der Raum linksseitig der B45 zwischen Windecken und Heldenbergen als Baugebiet incl. einem Karree mit grösseren Ladengeschäften verplant.

Wir haben dort „in dieser neuen Mitte“ einen riesigen Parkplatz umgeben vom „Ankermieter“ REWE mit Fleischtheke, Getränkemarkt, Frischgemüse etc. sowie einem Optiker, 3 Klamottenläden, einer Drogerie und irgendwo noch eine Bankfiliale sowie 3 gastronomische Angebote.

3 lokale Traditionsmetzger haben danach den Bettel hingeschmissen.

Aktuell läuft das in der „Neuen Mitte“ ungefähr so ab:Aktuell läuft das in der „Neuen Mitte“ ungefähr so ab:

Wohlhabende Akademikerfrauen von „um die Ecke“ (die Preise im Baugebiet „neue Mitte“ sind attraktiv fürs gehobene Stadtvolk), vermutlich „Grün“ wählend sind mit ihren riesigen SUV-Schlachtschiffen auf dem oben genannten Parkplatz völlig überfordert weil es keine großen, weisse Pfeile auf dem Boden gibt die ihnen die Richtung weisen.

„Rechts vor Links“, „Verständige Dich mit anderen Verkehrsteilnehmern“ und „Fahre so, dass Du keinen anderen in Gefahr bringst“ (ich zitiere hier nur die Strassenverkehrsordnung) sind diesen Mitbürgern unbekannt – zu Dumm sich sicher auf der Strasse zu bewegen.

Und kaum sind sie ausgestiegen, verwandeln *SIE* sich von dummen Autofahrern in dumme Fussgänger.

Heute wieder gehabt: Rentner-Schlachtschiff (Hauptsache Mercedes) mit viel Gejuckele in die Parkbucht geschafft.

Ausgestiegen – und statt zügig die Fahrbahn zu überqueren bleiben die einfach mittendrin stehen und diskutieren den Einkaufszettel. Vom Auto-Deppen zum Fussgänger-Deppen.

Und da Nidderau eine ganz tolle Umweltbewusste Stadt mit besonderer Rücksicht auf die Radfahrer werden soll, haben sich unsere Strategen was besonderes einfallen lassen:

Zwischen Windecken und Heldenbergen gibt es seit langer Zeit auf einem Damm gegen das Nidderhochwasser ein Fuß- und Radweg (also rechter Hand der B45 hinter den Besiedlungsgebieten).

Dann gibt es einen Rad- und Fussweg beiderseits der B45.

Und nachdem die Umgehungsstrasse fertig ist, wurde auf der B45-Alt nochmal links und rechts ein Radfahrweg auf die Strasse gepinselt. Da diese Konstruktion sehr Unfallträchtig ist, haben wir nun Tempo 30 auf der gesamten Strecke mit dem Ergebnis, dass selbst in den Randzeiten der Verkehr eher stockend vorankommt.

Um mir das Einkaufs-Leben zu vereinfachen, habe ich folgende Strategie ermittelt:

  1. Ich ignoriere die „Neue Mitte“ weitestgehend und kaufe um NORMA um die Ecke ein.
  2. Wenn ich schon da bin, fahre ich noch nach Ostheim zum Metzger.
  3. Für Drogerieartikel fahre ich ins Gewerbegebiet vor den Toren Bruchköbels (da bin ich ökonomisch und ökologisch besser dabei).

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