„Neue Mitte Nidderau“ Boykott

Die „Neue Mitte“ ist anscheinend dieser helle Betonstreifen ganz am linken Rand des Fotos

In der Projektbeschreibung der „Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH“ (kurz HBB) zur „Neue Mitte Nidderau“ findet sich ein bemerkenswerter Satz in der Einleitung:

„Die Stadt Nidderau […] ist ein Zusammenschluss mehrer kleinerer Ortschafte ohne identitätsstiftende Mitte. Mit dem Nidder Forum […] wurde dieses städtebauliche Defizit entgültig behoben.“

Prospekt der HBB

Gemäss der Duden-Redaktion ist „identitätsstiftend“ so geartet, dass „eine Identität bewirkt, geschaffen wird„.

Zu „Identität“ schreibt Wikipedia vieles und zitiert auch namhafte Autoren, aber wie ein auf fruchtbaren Ackerboden hingerotzter Parkplatz mit angeschlossenen Einzelhandelsflächen ein „Identitätsstifter“ sein soll, bleibt mir verborgen.

Zumal dieses „Nidder Forum“ eine Totgeburt wie aus dem Lehrbuch ist:

  • Erst wird grosszügige Verkehrsinfrastuktur gebaut um die Kunden anzulocken.
  • Dann wird aus Gründen des Umwelt-, Fußgänger-, Sonstwas-Schutz der Zugang wieder erschwert.

Mein Weg von der Höhenstrasse bis zum REWE:

  1. Holperstrecke Ostheimer Strasse, Freiligrathring, Rathenauring bis zur Ampel. Blitzer und verwirrende Temposchilder führen dazu, dass die meissten eh nur mit 30km/h über die Strecke kriechen.
  2. Dann über die Konrad-Adenauer-Allee ab „Willi Salzman Halle“ wieder mit Tempo 30km/h über paar Kreisel und verengter Fahrbahn (denn links und rechts sind grosszügige Fahrradwege eingezeichnet, die keiner nutzt – aber zu beachten sind) weiterfahren.

Auf dem Parkplatz (der wohl unsere „Neue Mitte“ darstellen soll) habe ich es dann mit verschiedenen Deppen zu tun:

  • Ich kann mir ein Haus in der „Neue Mitte“ leisten und einen SUV dazu! Dummerweise kann ich dieses riesige Auto nicht bedienen und belege vorsichtshalber 2 Parkplätze.
  • Da sind keine Richtungspfeile auf dem Boden und „Rechts vor Links“ verstehe ich nicht. Da ich sowieso im Recht bin, fahre ich wie ich mir eine Ordnung hier vorstelle.

Wenn dann aus Autofahrern wieder Fußgänger werden, mutieren schlichtweg dumme Autofahrer zu dummen Fußgängern und zu dummen Kunden:

  • Strasse freihalten für den fließenden Verkehr und auf ein/ausparkende Autos (die von Natur aus ein eingeschränktes Sichtfeld haben) zu achten, ist den meissten Fremd.
  • Mitten auf der „Straße“ den Fußmarsch anzuhalten und mit dem Partner ausgiebigst den Einkaufszettel zu diskutieren ist dort in unserer „identitätstiftenden Mitte“ eher die Regel als die Ausnahme.
  • Statt von den entlegenen und überfüllten Einkaufswagenstationen einfach eine Karre mitzunehmen und bis zum REWE zu rollen zankt man sich vor dem Eingang lieber um den letzten verfügbaren Wagen und …
  • Statt den eigenen Einkaufwagen in Tragetaschen umzufüllen, den Wagen an einer leeren Station einzukoppeln wird er bis zum eigenen Automobil gerollt und dann an einer überfüllten Station (dh. Wagen reichen bis zur Hälfte der Fahrbahn) eingeklinkt.

Mir ist es auch ein Rätsel, warum irgendjemand den Getränkemarkt vom REWE besucht statt einfach beim Getränke Euler zwischen Windecken und Ostheim sein Leergut mit paar Schritten abstellt, eine Quittung bekommt und sein Lager nachfüllt. Die Kassen beim REWE-Getränkemarkt sind eher schwach besetzt und wenn da ein Rentner kommt, der gleichzeitig noch seinen Lotterieschein abgeben möchte und bevorzugte Behandlung einfordert bricht das Chaos aus.

Kluge Stadtplaner postieren solche Gewerbe/Einkaufszentren einfach ausserhalb ihrer „Kernstadt“ (wie zB. in Bruchköbel geschehen), statt eine „Neue Mitte“ zu erzwingen.

Von der „Neue Mitte“ gestresst, kaufen wir mittlerweile beim nächstgelegenen NORMA-Markt (auch Fußläufig zu erreichen – wenn denn meine Bandscheibe mitmachen würde), beim Getränke-Euler und Drogerie-Artikel im Gewerbegebiet Bruchköbel ein – welches nie den Anspruch einer „Neue Mitte Bruchköbels“ erhoben hat.

….

Das Schlimme ist: gute Freunde meinen, dass ich mit meinen Ideen in die Lokalpolitik gehen sollte.

Das Gute ist: den Versuch hat mein Vater schon gemacht, er ist gescheitert und ich habe daraus gelernt, dass ich das (zumindest in Nidderau) nicht auch noch versuchen werde.

Ist halt ein kleiner, doofer Haufen hier in der Politik der „modernen“ Methoden folgt ohne gewisse Traditionen einzuhalten – um sich dann zu beschweren, dass das Gefüge zerfällt.

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