Gesund leben

Ich habe (oder besser hatte) Übergewicht.

Irgendwann Mitte 2019 beglückte mich mein Körper mit einer kleinen Stoffwechselentgleisung (HbA1c jenseits von Böse), Klinik, Diabetes Typ II, Insulin.

Das mit dem Insulin find ich Klasse: da jedes Gramm Kohlenhydrate im Essen auch mehr Insulin in der Spritze erfordert (und sich das ab einer gewissen Menge etwas unangenehm anfühlt) verkneife ich mir die Pizza, die Nudeln und die Berge von Kartoffelbrei und greife zu Salat, Gemüse, Fleisch.

Ergebnis 1: In 6 Monaten 25kg Gewichtsverlust.
Ergebnis 2: Rückenschmerzen, Fußschmerzen, Gelenkschmerzen des unteren Bewegungsapparates.

Macht nichts, der freundliche Orthopäde von nebenan verschreibt Reha-Sport. Mit der Verordnung zur Krankenkasse, dort Stempel drauf und gut ist.

Wer macht Reha-Sport? Gemäss Liste der Krankenkasse bevorzugt die Sportvereine – äh, eher nein. Die Physiotherapeuten in der Nähe machen das auch nicht – also die verschiedenen „Fitness-Studios“ in der Umgebung abgeklappert.

Interessanterweise beginnt bei den Fitness-Studios die Darwinsche Auslese schon vor dem Empfang: der Parkplatz ist paar hübsche Meter entfernt und die Unternehmen residieren überwiegend im ersten oder zweiten Stockwerk. Gut – mit 25kg weniger bin ich etwas agiler, dummerweise habe ich mir einen Zeh gestossen (macht tierisch Aua ausgerechnet in den Schuhen mit orthopädischen Einlagen) und mein Rücken mit Ischias erlauben keine längeren Spaziergänge (ausser im Supermarkt, da missbrauche ich den Einkaufswagen als Rollator).

Beim Healthy um die Ecke bin ich dann hängengeblieben (war auch eine längere Geschichte – entweder waren ChefIn kurz ausser Haus oder ich ich war in der Nähe, hatte aber meine Unterlagen nicht dabei oder halt der übliche „Jahresende, so plötzlich und Unerwartet? Hilfe – ich muss noch mein Budget verpulvern!“-Auftragsstress.

Vor 14 Tagen (Januar ist bei mir traditionell erstmal Kürzertreten und Entspannen) hab ich mich dann Eingeschrieben und auch mal das Wichtigste gemacht: die 9 (!!) wöchtentlichen Rehasport-Termine in meinen Terminkalender übertragen.

Dummerweise liegen alle Termine genau dort, wo ich sie am wenigsten gebrauchen kann: Morgens im Zeitfenster ca. 10-12 Uhr wo die Warenanlieferung stattfindet und Abends zwischen 17-19 Uhr, wenn ich bei den Kunden schauen muss ob der Tagesabschluss ohne Störungen durchgelaufen ist.

Bis das dann koordiniert werden konnte ist nochmal eine Woche vergangen und am letzten Donnerstag bin ich dann endlich gemäss „Vorschrift“ mit Sportschuhen und Handtuch dort zur ersten 45min Übungseinheit eingelaufen.

War „nett“ für mich als Anfänger.

Neben mir waren es 3 weitere Herren (der Eine war so um die +70 und eher still, der Andere direkt hinter mir ein humorvoller – wie ich – Neueinsteiger und dann noch der Kollege wo ich nur dachte „woha, gegenüber ihm habe ich eigentlich keine Probleme)

Und dazu ein Hühnerstall Weibsvolk, aus dem mir ständig wiedersprechende Anweisungen gegeben wurde wie ich nun meine Matte und vorallem wohin legen sollte – Ergebnis einer anscheindend über die Übungsstunden festgelegten Hackordnung wo die Neulinge tunlichst am äussersten Rand zu platzieren sind (wtf who cares?)

Ich habe dann eine Dame neben mir angesprochen, meine Fragen „warum, wieso, weshalb“ gestellt und eine strukturierte Antwort bekommen, die sich vom „gackagackkagaichbinwichtig“ aus dem Stall abgehoben hat.

45min Erst-Training mit dezenter Musikbegleitung (wirklich super angeleitet durch die Chefin, eine mittelgrosse, durchtrainierte Dame) haben mich manchmal zur Verzweiflung gebracht.

Was ich aber sehr gut fand: wenn ich mal paar Takte ausgesetzt habe, hat das keinen gestört – ich wurde aber bei falscher Interpretation der Übung sanft von der Leiterin korrigiert.

Bis ich merkte, dass sich das auf den (ebenfalls) Neu-Kollegen hinter mir bezog.

Macht nüscht – ich habe das Übungssystem schnell in den Grundzügen begriffen und ihm zugerufen „Bierhumpen heben“, „Unkraut auf Knien rupfen“, „Badewannenrudern“

Die Übungsleiterin/Chefin hat sich köstlich darüber amüsiert wärend der Hühnerhaufen über diese „Einmischung“ in die Abweichung der mühsam erlernten Routine erbost war.

Ergebnis der ersten „Gesundheitsmaßnahme“:
1) Ich habe ganz neue Muskeln und Gelenke kennengelernt, die weh tun können
2) Ich brauche nun Reha von der Reha
3) Gruppen in geschlossenen Räumen sind prima für den Austausch von Viren geeignet, ich falle erstmal wegen Grippe aus.

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