Sabine & Tobias: der Zwang der Medien zur Katastrophe

Deutscher Journalismus ist wie Deutscher Kaviar – er existiert, ist aber nicht wirklich gut.

Unbekannter Verfasser

Tagelang hat uns Sturm „Sabine“ in Atem gehalten. Dauerberichterstattung auf allen Kanälen, in freudiger Erwartungshaltung dass irgendwo was passiert – wenn ein Sack Reis umgefallen ist, wird die nächsten Stunden die Bevölkerung mit Live-Berichterstattung per Radio und TV drangsaliert.

Letzte Woche Donnerstag war ich in meiner Werkstatt und in HR-Inforadio lief eine Sendung zum Thema, wie sich Unternehmen (also Versicherungen, Fluggesellschaften etc.) auf solche Stürme vorbereiten – nachzuhören hier.

Fazit in etwa: „Ei jo, solche Winterstürme kommen halt vor“. Die Journalisten bohren mehrmals, nach ob irgendwelche „Task Forces“ und „Katastrophenstäbe“ für Sturm „Sabine“ einberufen wurden – die Antworten waren durchweg „Warum sollten wir, so ein Wetter ist doch wirklich nichts besonderes“.


Solche Vollpatienten hingegen wie Tobias R. (der im benachbarten Hanau ein Massaker hingelegt hat), kenne ich aus eigener Anschauung (oder besser „kannte“ weil ich mich seit Jahrzehnten von solchen Irren bewusst fernhalte).

Deren Verschwörungs-Repertoire reicht von „Die Ölscheichs unterdrücken ein Patent womit Autos mit Wasser fahren können, „die Juden wollen die Welt beherrschen (das ist kein orginäres deutsches Thema, sondern geistert schon jahrhundertelang durch die Welt), „Unterirdische Militärbasen“ (bekannt als DUMBS-Project, auch nix „urdeutsches“) – wer das mal in voller Breitseite mit „Klonen, Bakteriologische Kriegsführung, lebendigen energetischen Kristallbasen“ lesen möchte, möge sich jenes Muster auf Facebook anschauen.

Das Bild der professionell organisierten linksextremen Stadtguerilla, die ihre Taten generalstabsmäßig vorbereitet und dann auch noch pseudointellektuelle Hybris in Bekennerschreiben auswalzt, war über Jahre hinweg das dominierende Terrorklischee.

„Der Tagesspiegel“, 27.08.2018

„Angesichts der irrwitzigen Vielfalt des Schreckens wirken RAF und NSU fast schon eindimensional. Doch die von militanten Links- und Rechtsextremisten ausgehende Terrorgefahr ist keineswegs verschwunden. Vielmehr kommt sie zum Drohpotenzial der militanten Islamisten noch hinzu. Auch wenn im Linksextremismus derzeit keine Strukturen zu erkennen sind, die mit der RAF zu vergleichen wären, ist die Bundesrepublik mit einem noch komplexeren Anschlagsrisiko konfrontiert als vor 25 Jahren.“

(aus dem oben verlinkten Artikel)

Um es mit Dieter Nuhr zu sagen „Früher hatten solche Spinner genau einen Follower: Das Bierglas vor ihnen an der Theke. Heute haben sie via Internet ein grösseres Publikum“.

Aber auch hier (um den Faden zu „Sabine“ und der medialen Berichterstattung zurückzuspinnen): um das Geschehen irgendwie für die Zuhörer und Zuschauer auf ein begreifbares Niveau (dessen Untergrenze durch den Moderator / Fragesteller / Journalist bestimmt wurde) wurden die interviewten Fachkräfte permanent mit Fragen der Sorte „gibt es Verbindungen zum rechten Rand unserer Gesellschaft, und kann man die AfD irgendwie dafür verantwortlich machen?“

Da hat sich direkt nach dem Massaker keiner der Interviewpartner dazu konkret äussern wollen, aber die Medienanstalten haben (so zumindest mein Gefühl) haben zum Schluss nur noch Interviewpartner und Wortschnipsel zitiert, die das Bild eines „erst die AfD hat ihm eine Heimat gegeben um seinen Terroranschlag durchzuführen“ zeichnen.

Geht es noch?

Irre bleiben Irre, da brauchts keine Vorverurteilung und „Einsortierung der Medien“ nach Rechts, Links, Islamismus und sonstigen Wirrungen.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.