Bloss keine Politik für mich

Mir wird immer wieder gesagt, dass ich mit meinen durchaus machbaren und rationalen Ideen in die Politik gehen soll.

Nun – mein Vater dachte auch so rational und machbar und versuchte sich an Politik – und scheiterte.

Was weniger an seinen Vorstellungen lag, sondern dass schon in den 1980er Jahren Nidderauer Lokalpolitik (wie überall) viel Kleinkram jenseits des Stadt-Notwendigen gefördert hat und dadurch zu vielen Interessensgruppen die Möglichkeit gegeben wurde, ihre eigenen – kostspieligen – Nebenschauplätze zu eröffnen.

Mein Vater hat sowas als Journalist für den Nidderauer- und Hanauer Anzeiger hinterfragt und bekam einen Shitstorm nach dem Anderen ab unter dem die gesamte Familie zu leiden hatte.

Würde ich Politik in Nidderau machen, fallen mir da sofort etliche Wunden, Kostenlöcher und versäumte Chancen ein – aber mit einem Verwaltungsapparat, an deren Spitze auch nur wieder Verwaltungsbeamte die Entscheidungen treffen sind Veränderungen kaum durchführbar (es sei denn, man schmeisst die Festgefahrenen raus und ersetzt sie durch Leute, die sich in der Wirtschaft bereits ihre Sporen verdient haben).

Der zweite Grund ist: Politik wird neben den Verwaltungsbeamten überwiegend von Juristen gemacht. Juristen sind neben Kennern der Paragraphen auch sehr geschult in ihrem Auftreten (schliesslich müssen sie als Anwalt dem Richter vermitteln, dass die Interpretation ihres Mandanten des Geschehens an keiner Stelle gegen die Gesetze verstossen hat).

Erinnert mich an eine Elternbeiratssitzung wo der „Häuptling“ (ein Jurist) jeden meiner Vorschläge dezent in den Mülleimer schob – danach habe ich den Bettel hingeworfen.

Ich hatte in einer der Nachbargemeinden einen kleinen Handwerksbetrieb als Kunde, wo der Inhaber plötzlich hauptamtlicher Stadtrat wurde und nun meinte, dass er wegen jedem Furz 24/7 auf der Notfallrufnummer meines Mobiltelefons anrufen darf – Pech für ihn.

Zusammenfassung: Politik die unser Land weiterbringt, ist eigentlich nicht mehr möglich seit jede Deppen-Interessengemeinschaft zukunftsweisende Entscheidungen blockieren kann.

Und als „Zukunftsweisend“ betrachte ich nicht irgendwelche Dieselfahrverbote oder sonstige Pseudo-Nöte der Großstädter sondern „reale“ Investitionen in Deutschlands Zukunftsfähigkeit deren Ernte wir vielleicht erst in vielen Jahren einfahren können.

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