Caroline M. berät Obdachlose

Sehr rühriger Artikel der taz über eine ehemalige Obdachlose, die nun Obdachlose berät.

Sehr erschütternder Bericht, gerade wie „Mann“ Frauen ausbeuten kann.

Was mich in diesem Interview etwas irritierte waren zwei Aussage von Frau „M.“:

Haben Sie einen Schulabschluss ­gemacht?

Natürlich, einen Hauptschulabschluss, danach eine Lehre zur Bekleidungsschneiderin. Ich habe in der Firma auch lange gearbeitet. Aber nicht als Schneiderin. Ich war für die Schnitte zuständig.

Wieso sind Sie weggegangen?

Bei uns war früher Textil ganz groß, aber die Fabriken wurden alle ins Ausland verlagert. Jobmäßig gab es keine Perspektive.

Nun – alle Unternehmen sind nicht weggegangen, Wikipedia (ist nicht gerade der Brockhaus oder die Wirtschaftsstatistik der Creditreform) listet sehr viele aktive, ortsansässige Firmen der Textolbranche in der Heimat von Frau M. auf.

Was haben Freunde oder die Familie in Bayern dazu gesagt, dass Sie auf der Straße lebten?

Freunde in Bayern hatte ich nicht mehr. Die Familie hat gesagt: Kommt wieder heim.

Aber das wollten Sie nicht?

Nein.

Warum?

Weil ich Berlin liebe. Das Leben hier ist so ganz anders als bei uns. Bei uns ist alles eng, kleinbürgerlich, spießig. In Berlin kann man sein, wie man will. Die Menschen sind hier viel toleranter.

Sie waren lieber wohnungslos, als zurückzugehen?

Ja. Ich würde nie mehr zurückgehen.

„Eng, kleinbürgerlich, spießig“ in Verbindung mit „in einer offeneren Gesellschaft wäre ich Erfolgreich“ kann funktionieren (Karl Lagerfeld et al), erfordert aber den Willen etwas zu erreichen.

Da habe ich bei der Interviewten Person etwas meine Zweifel.

Da aber Berlin (incl. Auffangstation Bundestag) wirklich jeden irgendwie durchschleppt. wird es langsam zum Ärgernis.

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