Von einem der auszog, ein E-Auto zu kaufen

Wallbox existiert seit paar Monaten, Plugin-Hybrid von Seat steht nach langer Lieferzeit mittlerweile in Form eines Seat Tarraco auf dem Firmenparkplatz.

Und dieses „Schlachtschiff“ hat angenehme Features: es ist saubequem, wickelt 100% meiner üblichen Fahrtziele rein elektrisch ab und hat einen riesigen Kofferraum.

Und damit auch die Nachteile: zu lang und zu breit um die umliegenden Parkhäuser mittelalterlicher Prägung (also Planungsstand zu Hochzeiten des VW Käfer) zügig zu durchfahren.

Meine Frau hat einen Stadtflitzer von Suzuki, den könnte ich für solche Geschäftsfahrten nutzen aber wenn die Verrechnungskosten wirklich erfasst werden sollen, dann wirds zu einem Zettelchaos.

Also: Stadtflitzerfirmenpostbriefkastenanfahrtzweitwagen vollelektrisch mit 0,25% auf dem Lohnzettel und massiver Föderung als buchalterisch saubere Lösung.

Akt 1: Marktübersicht

Als da wären die Knutschkugel „Fiat 500„, Daimler mit dem „Smart“ und der Renault „Twingo“ sowie der Seat „Mii„.

Die kenne ich nämlich noch als Benziner aus der Vergangenheit und haben alle einen ordentlichen Eindruck hinterlassen (also im Verhältnis Geld zu Blech und Reparaturbedürftigkeit).

Der Rest scheitert einfach an „zu gross, zu teuer, nächste Werkstatt zu weit entfernt“.

Akt 2: Terminvereinbarungen

RENAULT

E-Autos verkaufen sich im Moment wie geschnittens Brot, daher die Termine lieber vor Ort ausgemacht – bis auf den Renault, da habe ich angerufen, wurde weiterverbunden und bekam die Auskunft „Wir haben gerade keinen auf dem Hof, aber wir melden uns“.

FIAT

Bei MotorVillage um die Ecke bekommt man neben Fiat auch Alfa Romeo, Jeep und von Abarth getunte Fahrzeuge.

Das Interesse des hochmotivierte Verkäufers flaute schnell ab, als ich mich für einen Stromer interessierte.

Eine Begebenheit, mit der ich zukünftig öfters konfrontiert wurde – denn der Verkäufer lebt von der Provision und die ist bei einer hochsubventionierten Elektroschleuder eher ein Taschengeld als etwas, von dem man sich ein Abendessen leisten kann.

SMART

Bei Daimler in Hanau war es noch komplizierter: Ich bin rein in den Prachtsalon, auf die erste Person zugelaufen die ein Bapperl „Verkäufer“ am Revers hatte und sagte „Verkaufen Sie mir mal einen Smart“. Der Herr verlor binnen Sekunden seine wenige Farbe im Gesicht und zog sich darauf zurück, dass er nur Gebrauchtwagen verkauft und der zuständige Kollege erstmal im Gebäude zu suchen sei.

Nach paar Minuten kam er mit einer Visitenkarte zurück mit der Bitte, dass ich mich mit dem dort aufgedruckten Kollegen in Verbindung setzen soll.

Ok, ich bin mit meinem Kaufwunsch halt nicht der „Auserwählte“ und muss selber aktiv werden.

E-Mail, Telefonieren, Termin ausgemacht.

Akt 3: Probefahrt

FIAT

Der Fiat 500 als E-Auto ist von der Technik her gut gelungen, hat noch Platz über meinem Kopf, ist ein Beschleunigungswunder und mit maximal 150km/h auf der Autobahn kein Verkehrshindernis. Und der starke Rekuperationsmodus ist wirklich klasse: Fuss vom Pedal, das Auto wird langsamer bis es dann zB. an der Ampel stehen bleibt.

Gibt es aber nur als 3 Türer und bei diesen Modellen sind die Türen ewig lang und man muss sie ewig weit aufsperren um das Fahrzeug verlassen zu können – ein absolutes „NoGo“ bei mittlerweile üblichen Parkplätzen und Parkhäusern.

Und das Auto hat einen recht unüblichen Startmodus: Anschnallen, Bremse treten, Schlüssel drehen, auf einer Klaviatur die gewünschte „Getriebestellung“ (Parken, Nullstellung, Vorwärts, Rückwärts) wählen, auf Rückmeldung warten, fahren.

War bei der Rückkehr auf den Hof des Autohauses irritierend: Die Parkbucht, wo das Fahrzeug abgeholt wurde, war blockiert. Die Alternative zeigte sich paar Meter weiter, dort angehalten, abgeschnallt und ausgestiegen. Plötzlich rollte da ein LKW heran, der mich nach hinten übersehen hatte.

Also wieder rein ins Auto, Bremse treten, Zündschlüssel rein, umdrehen, D-Taste suchen und drücken, Pedal durchdrücken – nichts passiert. Ah: Anschnallen, Zündschlüssel durchdrehen, nichts passiert. Getriebetaste auf „P“, Bremse lösen und wieder treten – irgendwann in irgendeiner Kombination habe ich die Knutschkugel aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Der Verkäufer meinte nur (mit halben Ohr zuhörend), dass das mittlerweile Standard sei (ist es nicht) und es keinen 5-Türer von diesem Modell gäbe und (noch mehr gelangweilt) es ansonsten auch noch andere Hersteller gäbe dessen Verkäufer ich gefälligst ihre kostbare Zeit statt seiner rauben soll.

Amen.

SMART

Nachdem man per E-Mail und Telefon zueinander gefunden hat, verlief die Probefahrt mit dem Smart dank dem zuvorkommenden und kenntnisreichen Verkäufer äusserst angenehm.

Witzg fand ich das breite Flexband am Beifahrersitz: Damit kann man/frau seine Handtasche oder den modisch aktuellen urbanen Rucksack vor Verlust der Innereien bei starken Bremsmanövern sichern.

Und auch sonst merkt man, dass Smart eine Marke von Daimler-Benz ist: alles im Rahmen der Preiskalkulation sauber durchentwickelt.

Bis man Aussteigt und die Fahrer/Beifahrertür zuschlägt: statt eines satten „Klopps“ eher ein „Radängschepper“ mit dem man die Nachbarschaft aufweckt.

5türer, Mechanik OK, Favorit von Technik und Verkäufer bislang.

RENAULT

Telefon **bimmel**Der Renault Twingo steht auf dem Hof, wann wollen sie?“ Wetterbericht sagt 3 Tage Regen voraus, also dann eher Freitag.

Zum Termin dort angekommen, Verkäufer hinreichend motiviert, Twingo gefahren.

Elchtest, Bremsweg, Technik eigentlich alles OK (Renault baut schon recht lange eMobile). Sitze etwas unbequem.

Im Showroom einen Renault „Zoe“ gesehen, mal probehalber reingesetzt – diese Sitze waren wie vom Orthopäden des geringsten Misstrauens massgeschneidert.

„Was kostet das im Gewerbeleasing?“ … „Ok, packen Sie ihn ein“.

Paar längere Tage (Zulassungstelle in Hanau und der gewählte Zulassungsdienst sind halt … etwas seltsam) war es dann fertig.

Tjo… nun haben wir einen reinen Stromer mit nutzbaren 350km Reichweite und einen Langstrecken-Hybrid der 35km auf Batterie fahren kann.

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