Ausstieg vollzogen

Mal wieder die F.A.Z.:

Auch die Schweiz, Belgien und Spanien wollen keine Atomenergie mehr produzieren. Kasachstan, Litauen, Südkorea und Taiwan haben den Atomausstieg bereits vollzogen. Italien schaltete schon 1990 seine letzten beiden Werke ab.

F.A.Z. Klimablog vom 17.11.2021 9:14 Uhr, Eintrag von Lilly Bittner

„haben vollzogen“ klingt irgendwie nach Präteritum, ist also vorbei und abgeschlossen.

Da hat mich doch sofort interessiert, wie es der hochindustrialisierte Inselstaat geschafft hat, von seinen AKWs loszukommen.

Google „Taiwan Energieversorgung“, da findet sich sofort der Abschnitt „Taiwan: Planungen zum Atomausstieg“ in der deutschen Wikipedia wo zu lesen ist, dass 2016 beschlossen wurde, bis 2025 vollständig aus der Kernenergie auszusteigen. Flugs wurden Reaktorblöcke abgeschaltet (bzw. nicht mehr wieder angefahren), daraufhin wurde die Energieversorgung recht störanfällig woraufhin der Wirtschaftsminister Lee Chih-kung 2017 von seinem Posten zurücktrat. 2018 kam dann das Referendum über den „Ausstieg vom Ausstieg“ in dem sich die Wähler mehrheitlich gegen einen zwingenden Ausstieg bis 2025 ausgesprochen haben.

Südkorea? Siehe „Kernenergie in Südkorea“ – die Spalte „Abschaltung geplant“ ist dort recht leer. Allerdings wurde 2017 angedeutet, in 40 Jahren ohne AKWs auszukommen – „vollzug“ sieht anders aus.

Litauen? Ganz andere Baustelle. Da gab es aus der Zeit, wo Litauen noch zur Sovietunion gehört, den Schrottreaktor Ignalina. Im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen 2000 stimmte das litauische Parlament zu, das Kraftwerk aus Sicherheitsgründen bis 2010 abzuschalten (was dann am 31.12.2009 auch geschah). Ein neues AKW in Visaginas wurde vom Parlament genehmigt. Ich sehe da keinen „vollzug“.

Kasachstan hatte nur einen Atomreaktor als Soviet-Hinterlassenschaft in Betrieb. Das Kraftwerk in Aktau wurde 1994 aus ganz banalen Gründen abgeschaltet: Betriebsgenehmigung erloschen und kein Geld für neue Brennstäbe. AKW Neubauten sind schon länger in Planung, von „Ausstieg“ oder gar „Vollzug“ ist nichts zu sehen.

Welche Länder wurden im F.A.Z. Blog noch siegessicher als „Atomfrei“ bezeichnet?

Italien hat nach Tschernobyl und folgendem Volksentscheid seine Reaktoren 1986/87 abgeschaltet, der Bau von 3 weiteren Blöcken eingestellt. Der Stiefel Europas ist allerdings in der äusserst bequemen Lage, bequem Strom aus den Nachbarländern zu beziehen. Da reichte 2003 ein Baum in einer Hochspannungsleitung und schon liegt ein kleiner Subkontinent im Dunkeln. Heute hat sich die Lage etwas verbessert: Neue Gaskraftwerke (betrieben mit Gas aus eigenen Lagerstätten und massiven Importen), Norditalien ist trotzdem noch hochgradig abhängig von Stromlieferungen aus Europa. Je nach Regierung gibt es mal Bekenntnisse für und gegen Atomkraft.

Österreich kann es sich leisten, auf Atomkraft zu verzichten: Viele Fließgewässer liefern regenerative Energie und den Rest lässt man sich ohne Gewissenbisse von den dreckigen Kohlekraftwerken der Tschechen (und indirekt Polen) liefern.

Apropos …

Die kostspieligste Subvention ist, dass der Staat Kerosin von der Energiesteuer befreit.

Das ist keine Subvention sondern eine Steuervergünstigung (oder auch Steuersubvention).

Das macht in der Sache einen riesigen Unterschied:

  • Bei einer Subvention kann der Unterstützer auf Heller und Pfennig nachverfolgen, wieviel Geld er wohin ohne Gegenleistung verschenkt hat.
  • Eine Steuervergünstigung bringt verminderte Steuereinnahmen, wie hoch diese Minderung ist kann aufgrund von Mitnahmeeffekten nur grob geschätzt werden.

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